Ahrweiler_Bericht_2

Martin-Luther-Kirche in Ahrweiler:

2. Bericht


Die Martin-Luther Kirche in Ahrweiler wurde von der Flut im Sommer 2021 schwer getroffen. Dies ist ein Situationsbericht von Pastor Bach vom 06.08.2021.




Nun sind es über drei Wochen her, dass die Flut über uns hereinbrach, viele unserer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter waren selbst von der Flut betroffen und mussten sich um ihre Wohnungen, Hausstand und Mitbewohner kümmern.

Umso dankbarer sind wir allen, die aufgebrochen sind, uns beim Schippen, ausräumen und mit sogar warmen Nahrungsmitteln unterstützt haben.


Unserer Jugendfreizeit haben wir durchgeführt für über 14 Jährige.


Mit der Diakonie und geschultem Personal für jüngere Kinder mit Trauma Erfahrungen haben wir gerade eine Woche eine Freizeit mit jüngeren Kindern durchführen lassen. immerhin haben dieses Angebot für 5 Tage 25 Kinder wahrgenommen. Aber generell scheint dieses Angebot am Bedarf der betroffenen Familien vorbeizugehen. Denn für die nächste Woche gab es zu wenige Interessenten, weshalb dieses Angebot nächste Woche nicht stattfindet. Ob es in ein oder zwei Wochen wieder angeboten werden kann, wissen wir noch nicht.

Es hat sich gezeigt, dass viele Kinder momentan nicht ihre Eltern verlassen wollen, vor allem wenn sie Trennungserfahrungen vor oder in der Flut durchleiden mussten.

Vielleicht sieht dies später anders aus, wenn möglich will man eher mit der Familie zusammenbleiben.


Außerdem waren neben allem Räumen wir als Mitarbeitende in der Kirchengemeinde mit Strukturaufbau und Reinigen und Säubern von Gebäuden und Begleitung betroffener Menschen in den letzten Wochen beschäftigt.

Mittlerweile ist der Schlamm aus allen Räumlichkeiten heraus, Fußbodenbeläge, durchfeuchteter Putz etc. werden jetzt entfernt, damit bald getrocknet werden kann.


In der Kirche wurde die Orgel fachgerecht abgebaut und eingelagert.

Am Anfang war alles sehr chaotisch und viele aus der Bevölkerung wussten nicht, wo gibt es Essen, WC, oder gar Dusch- oder Wäsche-wasch-möglichkeiten, ärztliche und medikamentöse Grundversorgung und Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Probleme. So haben wir uns neben der Erstversorgung und dem Aufbau von Hilfezentren mit eingebracht.

Nicht nur beim geräumten Kerit haben wir mitgeholfen Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Schuhe/ Kleidung zu verteilen, sondern durch die Diakonie-Katastrophenhilfe konnten über 700 Entfeuchter verteilt werden, die in sehr kurzer Zeit vergriffen waren.


Langsam lichtet sich das Chaos. Viele Straßen sind zumindest in Bad Neuenahr-Ahrweiler geräumt und wieder befahrbar. Allerdings wird es noch lange keine direkte Verbindung an der Ahr von Ahrweiler über die Orte Marienthal, Dernau, Rech Mayschoß bis Altenahr, Altenburg und Kreuzberg geben, die alle noch zu unserer Kirchengemeinde gehören, wenn auch der Anteil der Evangelischen in diesen Ortsteilen geringer ist als in der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Um diese Ortschaften zu erreichen, muss man größere Umwege fahren.


Nun steht an, die Gegenwart wie auch die beginnende Zukunft zu gestalten, für die nötigsten Lebensmittel und Hygiene zu sorgen, Informationsbedarf zu stillen,

Austausch zu ermöglichen und Kontaktmöglichkeiten auszubauen, auch Gottesdienste und andere Gemeindeangebote zu planen und durchzuführen.


Einen ersten Freiluftgottesdienst hat es mit Beteiligung der Militärseelsorge gegeben.

In unserem kleinen Kirchlein am Rande von Ahrweiler feiern wir sonntäglich 11.00 Uhr wieder Gottesdienst, sogar die ersten Taufen haben schon stattgefunden.


Ansonsten gibt es die ersten Beerdigungen seit dieser Woche auf den höhergelegenen Friedhöfen in Bad Neuenahr und Ahrweiler. Der Ahrtorfriedhof ist immer noch sehr beschädigt, allerdings teilweise durch Bundeswehrangehörige schon geräumt. Täglich können hier von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr Angehörige ihre Gräber besuchen. Seelsorger bieten in dieser Zeit ihre Begleitung an, was dankbar angenommen wird.


Langsam wachsen Infopoints der Stadt in den Stadtteilen, die gewährleisten, dass Grundbedürfnisse der Bevölkerung dort gestillt werden, auch wenn die vielen Ersthelfer nicht mehr so zahlreich vor Ort sind, wie in den letzten Wochen. Über https://www.helfer-shuttle.de und https://www.ahrhelp.com kann vieles organisierter aufgebaut werden und Hilfsangebote und Hilfsgesuche aufeinander abgestimmt werden.


Dank der Beauftragung durch unsere Landeskirche konnte Bernd Bazin seine Arbeit zur Strukturierung und dem Aufbau von nachhaltigen Notfallseelsorgeangeboten vor Ort beginnen. Neben Hilfevermittlungen bei der Bewältigung von Eindrücken durch dieses belastende Ereignis. wird es darum gehen, dass Kirche sowohl zu den Menschen geht, als auch dass es leicht findbare Ansprechpunkte geben wird, wo man niederschwellig Kontakt und Hilfsangebote finden kann. Kann vielleicht ein Flutlicht Café wieder Licht in den Alltag bringen.


Eine erste Hilfe ist zum Beispiel das evangelische Pfadfinderzelt am Mosesparkplatz oder das katholische KicheHilftZelt in Ahrweiler. Beratungsbedarf mit Fachwissen zusammenzubringen könnte eine weitere Aufgabe sein.


GOTT sei Dank – für die vielen Lichtblicke